Was ist Preisbildung?

Preisbildung ist der Prozess, bei dem der Betrag festgelegt wird, für den ein Produkt oder eine Dienstleistung verkauft wird — unter Berücksichtigung aller anfallenden Kosten, der Betriebskosten, der Steuern und der vom Unternehmen gewünschten Gewinnspanne.

Eine korrekte Preisbildung stellt sicher, dass das Unternehmen langfristig tragfähig ist. Entgegen der landläufigen Meinung sollte der Preis nicht nur anhand der Konkurrenz festgelegt werden — er muss zunächst alle Kosten decken und trotzdem tatsächlichen Gewinn erzeugen.

Wichtig: Viel zu einem falschen Preis zu verkaufen kann mehr Verlust erzeugen als wenig zu einem richtigen Preis zu verkaufen. Ein zu niedriger Preis erhöht den Arbeitsaufwand und verringert die Liquidität — einer der Hauptgründe für die Insolvenz kleiner Unternehmen.

Die drei Methoden der Preisbildung

1. Aufschlag auf die Kosten

Die einfachste Methode: Ein fester Prozentsatz wird auf die Produktkosten angewendet. Einfach anzuwenden, aber gefährlich, wenn nicht alle indirekten Kosten berücksichtigt werden.

Verkaufspreis = Kosten × (1 + Aufschlag %)

2. Divisor-Aufschlag (vollständiger)

Berücksichtigt gleichzeitig variable Kosten, Steuern und gewünschte Marge, alle ausgedrückt als Prozentsatz des Verkaufspreises.

Verkaufspreis = Kosten ÷ [1 − (Kosten % + Steuern % + Marge %)]

3. Wertbasierte Preisbildung

Der Preis wird durch die vom Kunden wahrgenommene Wertigkeit bestimmt, nicht durch die Kosten. Nützlich für Premiumprodukte, spezialisierte Dienstleistungen und Marken mit starkem Alleinstellungsmerkmal. Erfordert Marktforschung und eine klare Positionierung.

Schritt für Schritt: Wie man den Verkaufspreis bildet

  1. Ermitteln Sie die direkten Produktkosten (Wareneinsatz)
    Addieren Sie Einkaufspreis, Eingangsfracht, Verpackung und alle direkt mit dem Produkt verbundenen Kosten.
  2. Identifizieren Sie die variablen Verkaufskosten
    Marktplatzprovisionen, Kartengebühren, subventionierte Ausgangsfracht, Umsatzsteuer je nach Steuerregelung.
  3. Berechnen Sie den Anteil der Fixkosten
    Addieren Sie alle monatlichen Fixkosten (Miete, Gehälter, Strom, Internet, Software) und teilen Sie sie durch die Anzahl der im Monat verkauften Produkte.
  4. Legen Sie die gewünschte Nettogewinnspanne fest
    Bestimmen Sie, welcher Prozentsatz des Verkaufspreises Nettogewinn sein soll. Berücksichtigen Sie das Geschäftsrisiko und die erwartete Rendite.
  5. Wenden Sie die Formel des Divisor-Aufschlags an
    Addieren Sie variable Kosten %, Steuern % und gewünschte Marge %. Ziehen Sie das Ergebnis von 1 ab, um den Divisor zu erhalten. Teilen Sie die Gesamtkosten durch den Divisor.
  6. Validieren und anpassen
    Vergleichen Sie mit dem Markt. Liegt der berechnete Preis deutlich über der Konkurrenz, überprüfen Sie die Kosten oder positionieren Sie das Produkt neu.

Vollständiges Beispiel — Produkt für den Online-Verkauf

KomponenteWert oder %
Produktkosten38,00 €
Verpackung4,00 €
Eingangsfracht3,50 €
Anteil Fixkosten7,00 €
Wareneinsatz gesamt52,50 €
Plattformprovision5 %
Zahlungsabwicklung3 %
Umsatzsteuer (Durchschnitt)6 %
Gewünschte Marge22 %
Abzüge gesamt36 %

Divisor-Aufschlag = 1 − 0,36 = 0,64
Verkaufspreis = 52,50 € ÷ 0,64 = 82,03 €

Häufige Fehler bei der Preisbildung

Nutzen Sie den Gewinnspannen-Rechner, um schnell zu prüfen, ob Ihr aktueller Preis die erwartete Marge erzeugt.